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Gedenken an Großherzog Adolph am 17. November 2017 in der Schlosskirche zu Weilburg
Gedenken in der Großherzoglichen Fürstengruft, v.l.n.r.: Christine Zips, Pierre Even, Karl Weber, Elise Fink-Weydert, Gast Jacobs.

Auszug aus dem "Letzeburger Bliedchen"
40. Jahrgang, Dezember 2017, Nr. 111

Le mot de la Présidente

Léiw Memberen, liebe Freunde unserer Amicale,

den November, welcher ja unweigerlich mit der Adventszeit den Jahreswechsel ankündigt, nutze ich sehr gerne um aufzuräumen, Ordnung zu schaffen, mich der Dinge zu entledigen, die bestimmt niemals mehr gebraucht werden.

Vor allem aber reise ich gerne mit „leichtem Gepäck“ ins neue Jahr. Bei den Sachen meines Mannes bin ich äußerst großzügig was das Wegtun anbelangt, aber geht es um meine Sachen, hält sich meine Großzügigkeit in Grenzen.

Dieses Jahr hat mein Enkel Rafael mir zu meiner Räumaktion Unterstützung angeboten, zum einen gibt es doch Sachen zu entdecken, die er eventuell noch verwenden kann, zum anderen wollte er bei dieser Aktion, mit meiner Hilfe, Fortschritte in der luxemburgischen Sprache machen. Auf meine Frage:“Rafael wou bast du“ (Rafael wo bist du) antwortete er mir: „ Ech basten hei“ (ich bin hier). Na ja, da ist noch viel Lernpotenzial.

Beim Schulfest im Sommer waren die Schüler aufgefordert, „Frère Jacques“ in ihrer jeweiligen Muttersprache zu singen. Rafael meldete sich für Luxemburgisch, und es war eine Freude, und auch sehr bewegend, diese Leichtigkeit der schönen Kinderstimmen, in der Vielfalt der Sprachen, in dem kleinen Kanon vereint zu hören. Was bleibt da noch zu wünschen übrig? Aber das mit dem Wünschen ist so eine Sache, welche bei genauerem Betrachten zum Nachdenken anregen darf.

Wir wünschen Guten Morgen, das ist aufmerksam und lässt den Tag leichter beginnen.

Einen guten Abend macht Freude, den Tag mit einem schönen Buch, einem Konzert, Theaterbesuch, oder ganz einfach entspannt vor dem „Heimkino“ ausklingen lassen.

Beim „Guten Appetit“ habe ich so meine Bedenken, denn ein guter Appetit ist nicht förderlich für die Figur, es bilden sich Rundungen gerade dort wo man sie am wenigsten haben möchte.

Eine gute Reise hingegen ist, angesichts der vielen Unfälle auf überlasteten Autobahnen, einem Flugzeug, welches entführt, zerschellt in den französischen Alpen, einer Kreuzfahrt, wo bei der Havarie der Kapitän als erstes von Bord verschwindet und die Menschen ihrem Schicksal überlässt, ein guter Wunsch.

Gutes Gelingen wünschte Hille, als sie mir ihr Spezial-Rezept für Rehragout anvertraute. Es war ein Wunsch mit Erfahrung, denn in Ermangelung des Rehs griff ich zu Wildschwein, die gleichen Zutaten, nur etwas mehr Gin.

Gute Gesundheit, ein frommer Wunsch, liegt doch vieles in den Genen, trotzdem können wir für unsere Gesundheit eine Menge tun, aber das sei jedem selbst überlassen.

Gute Erholung nach längerer Krankheit, verbunden mit schönen Ferien an der Nordsee, in den Bergen oder wo auch immer, es sind Wünsche, die uns begleiten, und es liegt an uns, sie zu leben. Was bleibt noch an guten Wünschen?

Unseren Luxemburger-Freundeskreis aufrecht zu erhalten, die Mitglieder zu motivieren, sich an den Aktivitäten rege zu beteiligen, sei es die Generalversammlung, die Promenade Printanière, welche Annelie so hervorragend geplant und zu einem schönen Erlebnis werden ließ, unsere Nationalfeier in Biebrich, bei herrlichstem Wetter, mit gediegenem Ambiente im Schlossrestaurant, das „Hierschtpoteren“ im Landgasthaus Diedert bei knisterndem Kaminfeuer mit einer sehr interessanten Lesung über Dicks.

Nicht zu vergessen im November in Weilburg „frierend“ bei der Öffnung der Fürstengruft anwesend zu sein, um dann anschließend im warmen „Café“ eine gemütliche Gesellschaft zu pflegen.

Es sind viele gute Wünsche, und sie begleiten uns durchs ganze Jahr. Die politischen wie auch die religiösen kommen darin nicht vor, sie sind unsere ganz eigene private Angelegenheit.

In diesem Sinne wünsche ich „All eise Memberen a Frënn eng gutt Adventszäit, schéi Chrëchtdeeg an e glécklecht neit Joer“.

Elise Fink-Weydert


Gedenken an Großherzog Adolph in Weilburg

Wie alljährlich am 17. November, wurde auch dieses Jahr, einer langjährigen Tradition entsprechend, in Weilburg an der Lahn dem letzten regierenden nassauischen Herzog und Begründer der Luxemburger Dynastie, Großherzog Adolph von Luxemburg, anlässlich seines 112. Todestages die Ehre erwiesen. Er ruht seit 1953 in der Gruft seiner Vorfahren in der protestantischen Schlosskirche.

An der von Pfarrer Guido Hepke gestalteten Gedenkfeier nahmen teil, neben zahlreichen Bürgern und Bürgerinnen aus Weilburg und Umgebung, der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch, der Direktor der Schlösserverwaltung Hessen Karl Weber, die Präsidentin des Luxemburger-Freundeskreises Rhein-Main Elise Fink-Weydert, der ehemalige Bürgermeister von Colmar-Berg Gast Jacobs, der Präsident des Syndicat d’Initiative Schengen Marc Schoentgen, der Direktor des Großherzoglichen Hausarchivs Pierre Even, der Luxemburger Historiker Steve Kayser, LFRM-Ehrenpräsident Dr. Dante Bernabei, und aus Weilburg Altbürgermeister Hans-Peter Schick, der Hauptmann der Bürgergarde Dirk Petersen sowie dessen Vorgänger Jörg Schönwetter.

In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Hepke an die Herrscher früherer Zeiten und an die Geschichte der Stadt Weilburg und Deutschlands. Auch vor 200 Jahren, dem Geburtsjahr Großherzog und Herzog Adolphs, hätten sich die Menschen nach Schutz und Sicherheit gesehnt, denn 1817 sei eine Zeit des Umbruchs gewesen, sprach der Pfarrer. Die Menschen hätten lange Jahre voller Blutvergießen, Leiden und Unrecht erlebt, immer wieder seien Staatsgrenzen verschoben und ganze Klöster, Kirchen und Bistümer aufgelöst worden. Besonders für Klein- und Mittelstaaten, für territoriale Neugründungen und wenn ein Thronfolger fehlte, sei diese Zeit besonders gefährlich gewesen. All dies habe auf das frischgebackene Herzogtum Nassau zugetroffen. Erst 1806 hätten sich die Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg zu einem neuen Herzogtum zusammengeschlossen.

1816 starben beide nassauischen Herrscher. Erbprinz Wilhelm zu Nassau aus der Linie Weilburg trat als Herzog die alleinige Herrschaft an – aber das erste Kind starb und das zweite Kind war eine nicht erbberechtigte Tochter. 1817 kam mit Adolph endlich der erwartete Sohn und Erbe zur Welt, es war gleichzeitig auch das Jubiläumsjahr „300 Jahre Reformation“. Und Lutheraner schlossen sich 1817 mit Reformierten zusammen, konfessionelle Unterschiede wurden überwunden. „Ich meine, die Nassauische Union kann auch heute als Vorbild dienen“, sagte Pfarrer Hepke, „damit der Frieden weiter wachsen kann.“ Er appellierte an die Verantwortlichen, in einer Welt voller Not, Flucht und Elend alles zu tun, um zu einem Frieden zu verhelfen.

Zum Ende der Gedenkfeier wurden in der jährlich nur einmal der Öffentlichkeit zugänglichen Fürstengruft Kränze und Blumengestecke vom Großherzoglichen Hof, der Stadt Weilburg und vom Luxemburger Freundeskreis Rhein-Main niedergelegt. Die Feierstunde wurde erstklassig musikalisch umrahmt von Kantorin Doris Hagel an der Orgel.

Ansprache von Jörg Schönwetter, Hauptmann a.D. der Weilburger Bürgergarde, anlässlich des Kuratoren-Empfangs am 17. November 2017 im Anschluss an die alljährliche Öffnung der Fürstengruft unter der Schlosskirche

17. November ...

kurz vor 10.00 Uhr am Vormittag...

in der Weilburger Schlosskirche...

die Treppe zur Fürstengruft unter dem Altar ist geöffnet...

die seitlichen Geländer sind in den nassauischen Farben geschmückt...

links und rechts davon Blumen, Kränze und Gestecke...

Es rückt ein:

die Ehrenwache der Weilburger Bürgergarde! Nichts Besonderes, denn dies ist ja immer so! Den wenigen Weilburgern, denen man um diese Zeit auf dem Marktplatz begegnet, schießt es mit einem Lächeln in den Kopf:

Es ist Gruft!

Es ist Gruft, so nennen wir Weilburger dieses kleine aber doch so besondere Ereignis, das sich Jahr für Jahr wiederholt.

Am 17. November 2017 vor dem Eingang der Schlosskirche, nach der Öffnung der Großherzoglichen Fürstengruft, v.l.n.r.: Jörg Schönwetter, Pierre Even, Steve Kayser, Dr. Johannes Hanisch, Marc Schoentgen, Christine Zips, Dr. Svetlana Jaremitsch, Elise Fink-Weydert, Karl Weber (Foto: Karl-Heinz Fink)

Erinnern wir uns:

Im März 1977 weilten II.KK.HH. Großherzog Jean von Luxemburg und Großherzogin Josephine-Charlotte von Luxemburg im Rahmen ihres ersten Staatsbesuches in der Bundesrepublik Deutschland auch in Weilburg. Unter dem Kommando von Hauptmann Artur Schmidt empfing die Bürgergarde das Luxemburgische Staatsoberhaupt mit militärischen Ehren auf dem Marktplatz. Im Anschluss daran begab sich das Großherzogliche Paar in die Schlosskirche, um dort in der Fürstengruft ihrer Vorfahren zu gedenken. An der Fürstengruft hatte eine Ehrenwache der Bürgergarde Position bezogen.

Sichtlich angetan und beeindruckt von diesem Bild äußerte der Großherzog den Wunsch, zukünftig immer am 17. November, dem Todestag Großherzog Adolphs, dem Gründer der Dynastie Luxemburg-Nassau zu gedenken. Dazu solle die Gruft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und die Bürgergarde die Ehrenwache stellen.

Stande pede sicherte Hauptmann Artur Schmidt dies dem Großherzog zu, und so wurde am 17. November 1977, einem Donnerstag, erstmals die Fürstengruft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Schlossverwaltung hatte die Gruft geöffnet und geschmückt, Professor Schoos legte den ersten Kranz im Auftrag der Großherzoglichen Familie nieder. Nach Beendigung des offiziellen Teils rückte die Ehrenwache wieder ab, die Gruft blieb bis Sonnenuntergang geöffnet.

Seit auf den Tag genau 40 Jahren ist dies so, auf welchen Wochentag der 17. November auch fiel, die Gruft wurde geöffnet und geschmückt, Kränze und Gestecke besorgt und die Ehrenwache der Bürgergrade rückte ein.

Im Weilburger Tageblatt konnte man irgendwo am Rande der Lokalseite eine kleine Ankündigung entdecken, die auf dieses Ereignis hinwies, und nur wenige alte Weilburger nutzen die Gelegenheit, sich mal wieder in der Gruft umzuschauen. Für viele Jahre blieb dies so...

Ich erinnere mich sehr gut an die alljährlichen Telefonate mit Herrn Pierre Even, dem langjährigen Präsidenten des Luxemburger Freundeskreises, in dem wir beide uns – unserer gegenseitigen Zuverlässigkeit gewiss – über die Modalitäten austauschten und auch schon einmal fragten, wer kommt und wer kommt denn nicht. Wir waren da, immer! Unser gemeinsamer Antrieb war und bleibt, diesen besonderen Tag im Sinne der Verbundenheit zur Großherzoglichen Familie zu begehen. Der 17. November ist fester Bestandteil unseres Kalenders, bei den Freunden des Luxemburger Freundeskreises und in der Bürgergarde.

Seit Ende der 1990er Jahre wurde die Kranzniederlegung mit einer kleinen Andacht in der Gruft begangen, gefeiert von der Pfarrerin und den Pfarrern der Schlosskirche. Im Gedenken an Großherzog Adolph und die Fürstenfamilie blieb aber „die Gruft“ weiterhin „die Gruft“.

Geändert hat sich dies mit den Feierlichkeiten zum 100. Todestag Großherzog Adolphs im November 2005: Am 17. November kam S.K.H. Erbgroßherzog Guillaume nach Weilburg und gedachte in Schlosskirche und Gruft seinem Vorfahren – und war bewegt und beeindruckt ob der Besonderheit, dass zu seinen Ehren 120 Gardisten und Musiker an einem nasskalten Donnerstagvormittag auf dem Marktplatz Aufstellung genommen hatten und S.K.H. mit dem „Wilhelmus“ begrüßten. An der Gruft stand die Ehrenwache der Bürgergarde. Tags darauf folgten I.I.K.K.H.H. Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa.

Zwei herausragende Ereignisse für Stadt und Bürgergarde und auch Startschuss für eine neue Aufmerksamkeit. Die Besuche Ihrer Königlichen Hoheiten in den Jahren 2012 und 2017 stehen für die Bedeutung der Fürstengruft. 

Erfolg hat ja bekanntlich viele Väter, und gerne bemüht man zu solchen Anlässen Begriffe wie Tradition, Geschichte und Verbundenheit. Umso mehr wundert man sich über den Inhalt der Ankündigungen in der Presse – Anlass genug, die Entstehung und Geschichte der Gruftöffnung und deren besonderen Stellung etwas aufzufrischen.

Verbundenheit – ein besonderes Empfinden und Gefühl, das sich nicht immer leicht erklären lässt – Verbundenheit leitet uns, wenn wir uns Jahr für Jahr, an welchem Wochentag auch immer, die Zeit dafür einrichten, Urlaub nehmen oder liegen gelassenes nacharbeiten. Verbundenheit lässt sich nicht herbeireden oder schreiben. Verbundenheit entsteht nicht durch einen Urknall, ist nicht selbstverständlich, lässt sich nicht einfordern und besteht nicht, weil etwas schon immer so war.

Die Gruft ist unser Synonym für die Verbundenheit zur Großherzoglichen Familie – über zwei Jahrhunderte und so viele politische und gesellschaftliche Veränderungen hinweg. Der Wunsch des Großherzogs und das Selbstverständnis Artur Schmidts und aller Gardisten strahlen bis heute. Die Beisetzungen 1912, 1916 und 1953, in die die Bürgergarde auf ausdrücklichen Wunsch der Großherzoglichen Familie einbezogen war, zeugen genauso davon wie die sehr persönlichen Begegnungen in den vergangenen Jahren.

Nach 40 Jahren war es mir ein großes Bedürfnis, Ihnen von der Entstehung und der Bedeutung dieses Tages zu berichten, der uns Gardisten und vielen anderen mehr bedeutet als das, was die Zeitung angekündigt.

Ich danke Ihnen, Herr Weber und ihren Mitarbeiterinnen, für die Möglichkeit, im Rahmen dieser großartigen Ausstellung, die ja auch Zeugnis der Verbundenheit ist, ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern zu dürfen.

Verbundenheit schafft auch Freundschaften, deshalb freue ich mich sehr, dass Herr Marc Schoentgen heute bei uns ist, der mit seiner Ausstellung über die Dynastie Luxemburg-Nassau die Grundlage für vieles von dem schuf, was wir hier sehen dürfen.

Danken möchte ich den guten Schlossgeistern der Verwaltung für das immer gute Miteinander und den Freunden aus Wiesbaden für viele besondere Begegnungen.

Danken möchte ich als langjähriger Hauptmann, aber auch als „alter“ Weilburger, meinen Kameraden, die die Gruft so verinnerlicht haben. Allen voran Rolf Schmidt, der an allen Ehrenwachen seit 1977 aktiv teilgenommen hat. Er feiert heute ein besonders 40-jähriges Jubiläum.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen noch viele schöne Momente mit der Gruft als ein Zeichen lebendiger Verbundenheit.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Jörg Schönwetter

Hintergrundmusik: Pierre Even (1946): Paraphrase sur le "Wilhelmus" op. 40 - Holzbläserquartett der Wiesbadener Musikakademie (Wiesbaden 2008)

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