Luxemburger
Nationalfeier in Wiesbaden-Biebrich
Brillantes Konzert des Duos Marie-Denise Heinen und Dora
Entcheva
Am 19. Juni beging der Luxemburger-Freundeskreis
Rhein-Main (LFRM) den Nationalfeiertag in Wiesbaden-Biebrich. Zahlreiche
Mitglieder und Gäste aus Luxemburg, darunter Député-Maire Fernand Diederich aus
Colmar-Berg, die Bürgermeister der ehemals nassauischen Residenzstädte Weilburg
und Königstein sowie die traditionsreiche Weilburger Bürgergarde versammelten
sich zunächst bei etwas stürmischem Wetter zur Kranzniederlegung am
Nassauischen Landesdenkmal, dem Monument Großherzog Adolphes. In der
vollbesetzten Biebricher Pfarrkirche St. Marien konzelebrierten
General-Aumônier LtCol Nicolas Wenner und
Pfarrer Knud Schmitt das auch vom Biebricher Chor „Chorage“ festlich
gestaltete Hochamt. LFRM-Vizepräsident Jean-Paul
Théato sprach die Fürbitten für die großherzogliche Familie
und das Luxemburger Land.
Zur akademischen Feier in
Schloss Biebrich begrüßte der Luxemburger Honorarkonsul Dr. Fritz Becker die
fast 100 Teilnehmer und Ehrengäste und dankte dem LFRM für sein Engagement zur
Gestaltung der Nationalfeier. Député-Maire Fernand Diederich wies auf die
Bedeutung des Luxemburger Nationalfeiertages sowie die gelebte Partnerschaft
mit Weilburg hin. Der Wiesbadener Stadtrat Wolfgang Gores überbrachte die Grüße
des Oberbürgermeisters, und seitens der Biebricher Vereine und Verbände erhielt
der LFRM für seine Aktivitäten eine Urkunde als besondere Auszeichnung.
Höhepunkt der
Feier war das glanzvolle Konzert des Duos Marie-Denise Heinen (Violine) und
Dora Entcheva-Heinen (Violine/Viola). Mit bewegender Leidenschaft und
mustergültiger Perfektion interpretierten sie Werke von Jean-Marie Leclair,
Jeannot Heinen und Wolfgang Amadeus Mozart, und als Uraufführung „Consolatio“
für zwei Violinen von Pierre Even, eine ergreifende Hommage an den vor zwei
Jahren verstorbenen Luxemburger Komponisten Jeannot Heinen. Das mit lang
anhaltendem Applaus bedachte, außergewöhnliche Konzert klang nach den
Dankesworten von LFRM-Präsident Pierre Even
und der „Heemecht“ aus mit einem von Honorarkonsul Dr. Becker gegebenen
Empfang, zu dem der Chor „Chorage“ noch einige Proben seines Könnens gab.
Anregende Gespräche und ein Glückwunschtelegramm an das großherzogliche Paar
beendeten den niveauvollen Festtag.
(EFW)
Die Künstlerinnen:
Marie-Denise Heinen
Marie-Denise Heinen, geboren
1982 in Baden-Baden, erhielt den ersten Violinunterricht mit drei Jahren bei
ihrer Mutter Dora Entcheva-Heinen. 1992 wurde Marie-Denise Heinen Gastschülerin
bei Prof. Wolfgang Marschner an der Pflügerstiftung in Freiburg. Schon mit 9
Jahren erhielt sie ihren ersten Preis beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“
in Stuttgart und gehörte seitdem regelmäßig zu den Preisträgern bei Violin- und
Kammermusik-Wettbewerben „Jugend musiziert“.
1998 wurde sie als Jungstudentin
an der Hochschule für Musik Karlsruhe in die Klasse von Prof. Ulf Hoelscher
aufgenommen, bei dem sie zehn Jahre eine exzellente geigerische und
stilistische Ausbildung erhalten hat. Nach dem Abitur folgten die Studiengänge
Diplom Künstlerische Ausbildung (2001-2006) und Master of Music (2006-2008),
welche sie jeweils mit Auszeichnung abschloss. Seit 2008 führt sie ihr Studium
bei Prof. Dora Bratchkova an der Staatlichen Hochschule für Musik und
Darstellende Kunst Mannheim fort, wo sie ihre solistische Ausbildung macht.
Während der gesamten Studienzeit besuchte sie zahlreiche Meisterkurse bei Prof.
Ulf Hoelscher, Prof. Stephen Shipps, Prof. Paul Rosenthal, Prof. Jean Sulem,
Prof. Arnulf von Arnim und Prof. Rainer Kussmaul, wo sie mehrfach für Solorecitals
und auch als Solistin, u. a. unter der Leitung von David Geringas, ausgewählt
wurde. 2003 wurde die junge Geigerin Finalistin beim Internationalen Violinwettbewerb
„Jeunesses Musicales“ in Bukarest.
Marie-Denise Heinen
konzertiert als Solistin und in verschiedenen Kammermusikbesetzungen in
Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Italien, Spanien und Bulgarien, u. a. im
Rahmen der Winterfestwochen Herrenhausen in Hannover, der Schwetzinger
Festspiele, des Festivals auf Schloss Bourglinster in Luxemburg, des Festivals
für Russische Musik in Burgas (Bulgarien), der Internationalen
Herbst-Korrespondenzen Baden-Baden und auf Einladung der Fondazione William
Walton in Ischia (Italien). Schon mit 14 Jahren debütiert sie als Solistin in
Luxemburg, der Heimat ihres Vaters Jeannot Heinen, mit dem
RTL-Sinfonieorchester unter der Leitung von Pierre Cao. Es folgen zahlreiche
Konzerte mit der Baden-Badener Philharmonie, dem Orchestre de Chambre du
Luxembourg „Les Musiciens“, der Philharmonie Burgas und der Cappella Istropolitana
Bratislava. 2010 gründet sie zusammen mit ihrer Klavierpartnerin Nargiza
Alimova und dem Cellisten Zoltán Onczay das Heinen Klaviertrio im Andenken
ihres Vaters und Komponisten Jeannot Heinen. Seit 2009 ist sie stellvertretende
Konzertmeisterin des Kurpfälzischen Kammerorchesters Mannheim.
Dora Entcheva-Heinen
Die bulgarische Geigerin
Dora Entcheva, hervorgegangen aus den Meisterklassen von Prof. Vladimir Avramov
(Sofia) und Prof. Wolfgang Marschner (Freiburg), verbindet ihre internationalen
Konzertaktivitäten mit intensiver pädagogischer Tätigkeit. In Konzerten, bei
Radio-, TV- und CD-Aufnahmen sowie bei Uraufführungen vieler ihr gewidmeten
Werke genießt sie hohe Anerkennung als Interpretin zeitgenössischer Musik.
Eine ganz besondere Rolle in
ihrem Leben spielte die Begegnung mit dem luxemburgischen Komponisten Jeannot
Heinen im Juni 1980 in Baden-Baden. Als Künstler-Ehepaar arbeiteten sie eng
zusammen und konnten unzählige Projekte erfolgreich realisieren. 1999 wurden
sie gemeinsam für ihre künstlerische und pädagogische Tätigkeit mit der
Baden-Badener Medaille ausgezeichnet.
Dora Entcheva ist
Mitbegründerin der Vereinigung KORRESPONDENZEN Baden-Baden und seit 1991
künstlerische Leiterin der Internationalen Baden-Badener
Herbst-Korrespondenzen. 2009 übernahm sie die Position des 2. Vorsitzenden der
Vereinigung.
Gemeinsam mit ihrer Tochter
Marie-Denise Heinen widmet sie sich intensiv der Pflege und Verbreitung des
reichen und vielseitigen Werkes des Komponisten Jeannot Heinen.
Zum Gedenken:
Jeannot Heinen wurde am 25. Dezember 1937 in Luxemburg geboren und verstarb am 6. März
2009 in Baden-Baden. Er gilt als der wohl kreativste zeitgenössische
Luxemburger Komponist. Seine ersten
Kompositionen schrieb er als Autodidakt. Erst 1956 begann er, Musik zu
studieren. Bei der Aufnahmeprüfung für das Konservatorium der Stadt Luxemburg
spielte Heinen nichts anderes als sein Zweites Klavierkonzert! Später studierte
er an der 'Musikhochschule des Saarlandes' in Saarbrücken und 1969 gewährte ihm
die 'Brahmsgesellschaft Baden-Baden' einen neunmonatigen Aufenthalt im damals
gerade eröffneten Studio des dortigen Brahmshauses. 1970 wurde er beim Südwestfunk
Baden-Baden (dem heutigen SWR) tätig und dort 1971 als Archivreferent und
Dokumentationsredakteur mit der Leitung der Musikdokumentation beauftragt. 1989
gründete er zusammen mit seiner Frau, der bulgarischen Violinvirtuosin Dora
Entcheva, der Komponistin Violeta Dinescu und anderen Musikern die Gesellschaft
'Korrespondenzen', eine Vereinigung zur Förderung der zeitgenössischen Musik in
Baden-Baden. Heinens Werkkatalog umfasst weit über 400 Werke, die inzwischen
von fast 300 Solisten inkl. Duos bis Quartett sowie fast 40 Orchestern und
Chören aufgeführt wurden.
Hintergrundmusik: Pierre Pütz (1849-1913): Les six Princesses. Polka pour Cornet à Pistons (1904), bearbeitet für Holzbläserquartett von Pierre
Even - Holzbläserquartett der Wiesbadener Musikakademie (Wiesbaden 2008)